24. April 2013

Klimaschutz gegen Artenschutz

M. Kralemann, Energieexperte des BUND

Klimaschutz gegen Artenschutz
Vortrag anlässlich der BUND-HV konnte das Spannungsfeld nicht lösen

Eschershausen (ws.)
Der von den Umweltschützern angestrebte Ausgleich zwischen Klimaschutz und Artenschutz ist offenbar lange noch nicht in Sicht. Das jedenfalls schien das Ergebnis eines Vortrages im Mehrgenerationenhaus in Eschershausen und der anschließenden Diskussion zu sein. Nachdem Vorstandsmitglied der BUND-Kreisgruppe Holzminden, Michael Schmeißer aus Dohnsen, den Referenten des Abends, Michael Kralemann, ehrenamtlicher Sprecher des Arbeitskreises Energie beim BUND-Landesverband Niedersachsen begrüßt und vorgestellt hatte, äußerte er noch, dass ihn die gefühlte Vermaisung von 40 Prozent sehr stören würde. Daraufhin ging Michael Kralemann auch bald in die Tiefe der recht komplexen Thematik. Er erwiderte, dass es im Kreis Holzminden mit nur sechs Biogasanlagen im Landesvergleich extrem wenig geben würde. Er nannte weitere Daten für den Landkreis Holzminden. So würden hier von 600.000 MWh je Jahr beim Stromverbrauch nur 15 % regenerativ erzeugt, und zwar 10 % aus Windenergie, 3 % aus Sonnenenergie und 2 % aus Biogas. Von 1.200.000 MWh je Jahr beim Wärmeverbrauch stammen 89 % aus fossilen Quellen ( Erdgas und Heizöl etwa je die Hälfte) und 11 % stammen aus erneuerbaren Quellen, und zwar 10 % aus Holz (15.000 Anlagen) und 1% aus Sonnenenergie. Niedersachsenweit hingegen werden für den Stromverbrauch 20% (LK HOL nur 2%) aus erneuerbaren Energien wie Wind, Biogas und Sonne bezogen. Sofern Natur und Landschaft bei der Produktion von Biomasse und dem Bau und Betrieb der Anlagen Berücksichtigung fänden, würde der BUND-Landesverband diese Energieerzeugung begrüßen. Dass gerade hier die Vortragsteilnehmer ihre Bedenken äußerten, lag auf der Hand. Daraufhin äußerte Michael Kralemann, dass es dabei nicht auf das „Ob“, sondern auf das „Wie, Wann und Womit“ ankäme. Die Nutzung von Biomasse müsse mit den Zielen des Naturschutzes, Boden- und Gewässerschutzes sowie der Luftreinhaltung vereinbar sein. Den Teilnehmern war auch der Hinweis wichtig, dass der Maisanbau in seiner gesamten Dimension als Belastung empfunden werde. Immerhin käme auf die Biomaisfläche noch die größere Futtermaisfläche hinzu, die zusammen das Sterben von Pflanzen- und Tierarten hervorrufen. Auch mit häufigen Sichersafteinleitungen in Gewässer habe man schon oft leidvolle Erfahrungen machen müssen, wo entweder Nachlässigkeit oder gezielte Vorschriftenumgehung aus Profitgier die Ursache der Gewässerverunreinigung war. Auch der zusätzliche Flächenhunger mache den letzten verbliebenen Milchviehhaltern durch Pachtpreiserhöhungen das Leben schwer. Immerhin trage ja die Grünlandwirtschaft noch zur Landschaftserhaltung bei. Immerhin, Michael Kralemann deckte die Darstellung des Enegiebereiches auf kompetente Weise ab. So nannte er eine weitere Zahl, die die Teilnehmer zum Staunen brachte. So entspreche die in Biogasanlagen gewonnene Energie dem vier- bis achtfachen der eingebrachten Energie, je nachdem, ob und wie die abfallende Prozesswärme genutzt werde. Die „ideale Biogasanlage“, die zumindest rein theoretisch eine Vielzahl von Kriterien erfüllt, muss man im Lande Niedersachsen wohl erst suchen. Insofern bleibe, so Michael Schmeißer in seinem Schlusswort, das Spannungsfeld zwischen Klimaschutz und Biodiversität weiterhin bestehen. An der Auflösung dieses immer noch bestehenden Widerspruchs müsse weiterhin intensiv gearbeitet werden.

Für die Richtigkeit: Detlef Loock, Stadtoldendorf, 05532 / 2563



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